Archiv für die Kategorie ‘Verantwortung’

sechsseiten – Ausgabe 04-6

Montag, 30. Mai 2011

Nachhaltiges Wachstum – Scheitern

Eine Anleitung für Anfänger und Könner

 „Papa, wissen Väter immer mehr als Söhne?“
„Ja.“
„Papa, wer hat die Dampfmaschine erfunden?“
„James Watt.“
„Und warum nicht der Vater von James Watt?“

In dem diesjährigen Zyklus der Sechsseiten haben wir uns mit dem Thema „Nachhaltiges Wachstum“ befasst. Im Rückblick auf das, was wir in den voran gegangenen Ausgaben beleuchtet haben, fragen wir nun zum Abschluss: Was zeichnet sich aktuell für das nachhaltige Fortbestehen von Unternehmen ab? Das ist natürlich ein gewagter Schritt – haben wir doch gerade in der letzten Ausgabe zum Thema Komplexität gesehen, wie begrenzt die menschliche Fähigkeit der Zukunftsmodellierung ist. Dennoch ist es unerlässlich, periodisch Annahmen über die Zukunft zu treffen und damit dem eigenen unternehmerischen Handeln Orientierung zu geben.

Die nachfolgende Sammlung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir denken jedoch, dass man bei konsequenter Beachtung unserer Empfehlungen die Wahrscheinlichkeit, nachhaltiges Wachstum zu generieren, drastisch vermindern kann.

Empfehlung Nr. 1

Folgen Sie auf alle Fälle dem Diktat des Marktes mit seinen Eckpfeilern Globalisierung, Beschleunigung, Deregulierung, Flexibilisierung, Produktivitätssteigerung und Hyperwettbewerb. Wichtig: Tun sie dies absolut bedingungs- und atemlos. Stellen Sie die Durch Ökonomisierung des gesamten – privaten und öffentlichen – Lebens auf keinen Fall in Frage!

Setzen Sie zudem für die Bewältigung der Zukunft konsequent auf die Paradigmen der Vergangenheit. Schließlich geht das vielerorts vorherrschende Managementverständnis nach wie vor von einer prinzipiellen Berechenbarkeit der Verhältnisse – und damit auch der Zukunft – aus und zielt damit auf Eindeutigkeit ab. Überlassen Sie die Analyse der komplexen Verhältnisse außerhalb des Unternehmens allein herausragenden („heroischen“) Führungskräften. Sollten Sie keine derartigen Führungskräfte zur Verfügung haben, machen Sie es sich einfach und vergeben Sie die gesamte Strategieentwicklung nach Externe. Stellen Sie in beiden Fällen sicher, dass die so gewonnenen genialen Erkenntnisse sowie die darauf folgenden weitsichtigen Entscheidungen verlustfrei und absichtsgenau innerhalb der Organisation umgesetzt werden. (weiterlesen…)

McKinsey-Studie „Wettbewerbsfaktor Fachkräfte“ (Mai 2011)

Dienstag, 10. Mai 2011

Hausaufgaben für ein strategisch denkendes Management

Nun hat es auch nochmal McKinsey schwarz auf weiß aufgezeigt: Der demografische Wandel wird den Wettbewerb um Fachkräfte deutlich verschärfen. Was viele Unternehmen heute bereits schmerzhaft spüren, ist wahrlich keine Wissensrevolution. Was die Unternehmensberater allerdings in aller Deutlichkeit sagen ist, wie erstaunlich es ist, dass dieses Thema so wenig Konkretheit erfährt, obwohl die Rahmenbedingungen weitgehend bekannt sein sollten. Und die Berater legen gleich noch eine schlechte Nachricht dazu: „Die Rettung beim Thema Fachkräfte kommt nicht aus dem Ausland“ so der Deutschland-Chef von McKinsey & Company bei der Vorstellung der Studie dieser Tage in Berlin.  Es gibt drei Stellschrauben, an denen Unternehmen künftig ansetzen müssen, sofern deren Management die eigene Aufgabe in der Zukunftssicherung des Unternehmens sieht: Frauen, Ältere und junge Menschen mit schlechten Startchancen.

Zukunftsforscher Matthias Horx und sein Team haben bereits vor einigen Jahren auf die drei Megatrends Gesundheit, Alterung und Feminisierung hingewiesen. Aufgrund der Umverteilung der höheren Bildung von Männer auf Frauen werden beispielsweise ab 2015 mehr junge Frauen als Männer studieren und 2030 werden ca. 50% aller Führungskräfte weiblich sein (siehe hierzu Managerseminare/März 2008). Nur wo?  Auch in Ihrem Unternehmen? (weiterlesen…)

Menschenfreund und Unternehmer

Montag, 02. Mai 2011

– Interview mit dm-Gründer Götz Werner über Führung, Rudern und Vertrauen

Götz Werner ist Gründer einer Drogeriekette und ein ungewöhnlicher Unternehmer – weil er seinen Angestellten viel zutraut.

Sein Leitspruch: “Zutrauen veredelt den Menschen, ewige Bevormundung hemmt seine Reife.”

Hier geht es zum Interview-Podcast

Vom alten Wein und neuen Schläuchen

Mittwoch, 23. März 2011

Völlig zu Recht wird – vermutlich noch in (zu) wenigen Beratungssituationen – darauf hingewiesen, dass Führung mehr ist, als die genetische Legitimierung einzelner Heroen. Auch wird noch zu wenig darauf hingewiesen, dass Führung als organisationale Fähigkeit eigentlich Dinge leisten soll, die nicht wirklich leistbar sind. Der Erfolgsfaktor Führung, betrachtet vor dem Hintergrund der Erkenntnisse der neueren Systemtheorie, braucht neue und ergänzende Ansätze der Personal- und Organisationsentwicklung, um ihn nachhaltig zu dem zu befähigen, was er leisten soll: die Hausfrauenarbeit, die nicht im Rampenlicht steht und erst dann auffällt, wenn sie nicht oder nur unzureichend gemacht wird (vgl. hierzu R. Seliger „Das Dschungelbuch der Führung, 2010). Ein Thema, mit dem wir bei Process One uns intensiv beschäftigen und gemeinsam mit unseren Kunden diskutieren. Als Metapher gesprochen wäre das dann neuer Wein in vermutlich neuen zumindest komplett runderneuerten Schläuchen.

Erstaunlich finden wir jedoch, dass alter Wein, der noch immer mundet und noch nicht gekippt ist (also noch seine Gültigkeit besitzt),  in Zeiten der Veränderungen fast überhaupt nicht mehr betrachtet sprich probiert wird: gemeint sind v.a. Erkenntnisse der Teamentwicklung. Es ist schon erstaunlich, (weiterlesen…)

Der Fall zu Guttenberg

Donnerstag, 03. März 2011

Interessant am Fall zu Guttenberg  finden wir die Frage, wie sich das Guttenbergsche Betrugsdrama in die systemische Organisationstheorie einbetten lässt.

Wäre es so – wie (im Sinne Luhmanns) beschrieben – dass Personen für die Kommunikation erfunden werden und dass Personen deswegen in ganz unterschiedlicher Art und Weise in unterschiedlichen Organisationen tätig sein können, dann hätte Angela Merkel Recht gehabt mit ihrem Ausspruch, sie habe ja keinen wissenschaftlichen Assistenten eingestellt. Was zu Guttenberg in der Universität (nicht) machte, wäre dann nicht relevant für das was er als Verteidigungsminister tat.  

Interessant ist der Kommentar von Klaus Biedenkopf – es gehe um den MENSCHEN und der sei unteilbar (= also nicht ein bisschen Betrüger und ein bisschen Lichtgestalt)

Ist also ein Doktorarbeitsbetrug relevante Umwelt des Menschen? Der Person? Des Ministers?

Darüber sollten wir nachdenken!

Freiräume lassen…

Freitag, 04. Februar 2011

„…bedeutet in Vorleistung treten und Vertrauensvorschuss zu geben.“

Und das, so meint Thomas Strüngmann, erfolgreicher Gründer des Pharmakonzerns Hexal, bedeutet eben vor allem auch, das Risiko einzugehen, dass Mitarbeiter Fehler machen können. Und vor allem in Konzernen wird dies selten belohnt. In Organisationen, in denen „statt marktnaher Entscheidungen, die in die Zukunft gerichtet sind, budget- und zahlenorientierte Beschlüsse gefasst werden, die sich an der Vergangenheit orientieren“, haben die vielseits geforderten Freiräume wenig Chance auf Überleben.

Strüngmann schildert aus eigenen Erfahrungen die Wesensmerkmale einer Vertrauenskultur … (weiterlesen…)

Führungszitat des Monats

Montag, 20. Dezember 2010

“Ich bin bis heute dem Mann noch nicht begegnet, wie berühmt er auch sein möchte, der nicht nach einer Anerkennung besser und einsatzfreudiger gearbeitet hätte als nach einem Tadel.”

Charles M. Schwab (1862-1939)
amerikanischer Stahlindustrieller

sechsseiten – Ausgabe 04-1

Montag, 22. November 2010

Plädoyer für eine neue Definition von Wohlstand

2009 ist es soweit. Die Finanzkrise kommt in der Realwirtschaft an. In der gut 60-jährigen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bedeutet dies erstmals einen Rückgang des Brutto-Inlands-Produkts um rund fünf Prozent.

Es zeigt sich, dass Wachstum offensichtlich nicht unendlich ist. Rational war das Vielen vermutlich schon lange klar. Doch nun erlebt das Gros der Marktteilnehmer, wie sich ein derartiger Rückgang anfühlt.

Was ist überhaupt Wachstum?

Freilich muss angemerkt werden, dass das Brutto-Inlands-Produkt nur ein Wachstumsmaßstab ist – ein Maßstab, der einer rein ökonomischen Betrachtung folgt. Dem entgegen steht das qualitative Wachstum, das Fragen nach der Einkommensverteilung und dem Einfluss des wirtschaftlichen Wachstums auf die Umwelt mit einbezieht. Die Problematik wurde erstmals in dem 1972 erschienenen Bericht des Club of Rome thematisiert. Seither streiten sich die verschiedenen Interessengruppen darüber, wie ein – derart definiertes – Wachstum ermöglicht werden kann.

Als politisches Ziel ist Wachstum in der Bundesrepublik Deutschland seit 1967 in dem Gesetz zur Förderung der Stabilität und der Wirtschaft rechtlich vorgegeben. In dem entsprechenden Gesetz wird von wirtschaftspolitischen Maßnahmen gefordert, „dass sie im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung gleichzeitig zur Stabilität des Preisniveaus, zu einem hohen Beschäftigungsstand und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wachstum beitragen“ sollen. Folglich ist man sich in der Politik quer durch alle Parteien einig, dass ohne Wachstum alles nichts ist. Der G20 Gipfel im April 2009 endete mit einem einmütigen Bekenntnis aller Beteiligten: „Die Wirtschaft muss wachsen“. Und die Bundeskanzlerin postulierte Anfang 2009: „Deshalb ist der Schlüssel zu dem, was wir schaffen müssen, Wachstum… .“ (weiterlesen…)

Führungszitat des Monats

Samstag, 16. Oktober 2010
Der Mensch ist von Geburt an gut, aber die Geschäfte machen ihn schlecht.

Konfuzius
(551 – 479 v. Chr.)

sechsseiten – Ausgabe 03-6

Mittwoch, 04. August 2010

Nachhaltigkeit -
Ein langes Leben wünsch ich Dir!

Die meisten Unternehmen sind Versager. Oder bestenfalls Dilettanten, die ihr Potential nicht ausschöpfen.

Dieses Bild ergibt sich zumindest, wenn man Unternehmen unter dem Blickwinkel der Evolution betrachtet. Sie entwickeln und nutzen nur einen Bruchteil ihrer Möglichkeiten. Und stehen damit auf einer primitiven Stufe der Evolution.

Der beste Beweis aber für ihr Versagen ist ihre hohe Sterblichkeitsrate. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines multinationalen Konzerns aus der Fortune-Liste der 500 größten Unternehmen liegt zwischen 40 und 50 Jahren.

Der Mensch hat gelernt und ist inzwischen fähig, 75 Jahre oder länger zu leben. Es gibt aber kaum Unternehmen, die in diesem Alter noch gesund und munter sind.

Warum sterben so viele Unternehmen so früh?

Unserer (und nicht nur unserer) Beobachtung nach, weil zu sehr vergessen – oder zumindest zu wenig beachtet – wird, dass das eigentliche Wesen von Unternehmen in der menschlichen Gemeinschaft liegt. Und der Zweck dieser sozialen Gemeinschaft darin besteht, dauerhaft zur Freude und zum Nutzen aller Beteiligten zu überleben. 

Genau um diesen Zweck geht es, wenn wir über Nachhaltigkeit reden. Und nicht etwa um die gerne strapazierten Gegensätze zwischen Ökologie und Ökonomie. Das Denken in derartigen Gegensätzen führt nicht weiter. Ja ist – eingedenk der jüngsten Ereignisse des Jahres 2009 – unseres Erachtens geradezu unverantwortlich.  (weiterlesen…)