Leadership Development

Blog zum Thema Führung und Führungsentwicklung der Process One Consulting GmbH

Golf Players are better Managers

1. Juli 2013 von Henning Keber
Eine interessante These versuchte Dr. Katrin Muff von der Business School Lausanne mit Zahlen/Daten/Fakten wissenschaftlich zu hinterlegen: In ihrer Promotion zeigte sie anhand einer knapp 3-jährigen Feldforschung, dass Golf eine valide Option sei, die persönliche Wirksamkeit im Rahmen der Führung zu verbessern. In den Untersuchungen zeigte sich eine hohe Korrelation zwischen den Dimensionen, die für eine Verbesserung der golferischen Leistung einerseits, und für die manageriale Leistungsverbesserung andererseits förderlich sei (hier geht’s zum ganzen Artikel). Ein Kernstück der Verbindung zwischen den beiden Welten Sport und Management ist auch hier das mentale Training. Seit vielen Jahren hat die Businesswelt vermehrt erkannt, dass es lohnenswert sein kann, sich die Erkenntnisse des Profi- und Spitzensports zunutze zu machen und Parallelen zwischen den Welten der jeweiligen Top-Leistern herzustellen. Zu Themen und Fragen der Businesswelt liefert der Sport ohnehin interessante Ansätze und ergänzende Perspektiven (z.B. Führung, Leistungsoptimierung, Stressbewältigung, Burnout-Prävention, Motivation und Teamentwicklung). Persönlichkeitsentwicklung ist aus unserer Sicht auf Führungs(kräfte)-Entwicklung ohnehin integrativer Bestandteil eines wie auch immer gestalteten Management Development Programms. Von daher können wir den Satz des Sportpsychologen und gern gesehenen Gastredners Prof. Dr. Hans Eberspächer nur unterstreichen, der in seinem Buch „Gut sein, wenn’s drauf ankommt“ sagt: „Meine Botschaft ist ganz einfach: Echte Profis haben verlässliche 'innere Landkarten', auf die sie zugreifen können, wenn es darauf ankommt – auch unter höchster Beanspruchung.“ So kann auch Golfspielen dabei helfen, die eigene innere Landkarte des Handelns ein Stück verlässlicher werden zu lassen. In diesem Sinne wünschen wir also auch weiterhin „Ein schönes Spiel.“

sechsseiten – Ausgabe 06-3

10. Juni 2013 von Henrik Esper

Ungewissheit – entscheiden Unentscheidbares entscheidbar machen

Algorithmus ist ein aus endlich vielen Schritten bestehender eindeutiger Handlungsablauf zur Lösung eines Problems. Cynefin (sprich „Ku–nev–in“) ist ein walisisches Wort, dessen englische Übersetzung „Lebensraum“ oder „Habitat“ darauf verweist, wie wir – individuell und kollektiv – mit bestimmten, uns selbst oft wenig bewussten, Vorannahmen Sinn in der Welt konstruieren. Emergenz meint die spontane Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente. Dabei lassen sich die emergenten Eigenschaften des Systems nicht – oder jedenfalls nicht offensichtlich – auf Eigenschaften der Elemente zurückführen, die diese isoliert aufweisen. Heuristik bezeichnet ein Vorgehen, um in Situationen, in denen keine eindeutigen Lösungsstrategien bekannt sind – mit begrenztem Wissen und wenig Zeit – zu guten Lösungen zu kommen. Hierfür werden üblicherweise Mutmaßungen über das System entwickelt, die dann mithilfe empirischer Methoden verifiziert werden. Komplexität bezeichnet die Gesamtheit aller voneinander abhängigen Merkmale eines Systems, die man selbst dann nicht eindeutig beschreiben kann, wenn man vollständige Informationen über die einzelnen Elemente und ihre Wechselwirkungen besitzt.
Wenn Sie ein Buch zum Thema Denken und Entscheiden aufschlagen, können Sie damit rechnen, dass Ihnen folgender Leitsatz begegnet: Vernünftiges Denken basiert auf den Gesetzen der Logik, der Wahrscheinlichkeitsrechnung oder der Maximierung des erwarteten Nutzens; andernfalls liegt ein kognitiver Fehler oder ein motivationales Problem vor. Glauben Sie dieses Märchen nicht! Aus mathematischer Sicht sind Logik und Wahrscheinlichkeit schöne und elegante Systeme. Aber sie beschreiben nicht, wie Menschen wirklich urteilen – einschließlich der Autoren einschlägiger Bücher.

Ignoranz als organisationale Fähigkeit?

21. Mai 2013 von Dr. Reinhard Schmitt
Am Rande der Diskussion rund um die wahrgenommene 'Change-Müdigkeit' in Unternehmen tauchen interessante Fragen auf: Brauchen Unternehmen in Anbetracht sich ständig wandelnder Umweltbedingungen statt eines 'Change-Managements' vielmehr ein 'Stabilitätsmanagement'? Brauchen wir Führung, die Organisationen in die Lage versetzt, turbulente Umfelder zu ignorieren, um in Ruhe arbeiten und produktiv sein zu können? Meines Erachtens resultieren diese Fragen aus einer unzulässigen, jedoch häufig anzutreffenden Reduzierung des Begriffs 'Veränderung' auf den Teilaspekt der 'Änderung'. Zur Verdeutlichung dieser Unzulässigkeit sei ein Vergleich mit evolutionären Prozessen gestattet - schließlich kommt die Begriffsähnlichkeit von Organismus und Organisation nicht von ungefähr. Ebenso wie Organismen müssen Organisationen sich wandeln, um unter veränderten Umweltbedingungen zu überleben. In beiden Fällen handelt es sich um einen evolutionären Prozess, der von den drei Phasen Variation, Selektion und Retention bestimmt wird.

Respekt und Toleranz

15. April 2013 von Volker Dittmann
respekt-2Der Begriff galt lange als altmodisch, war uncool, sogar verdächtig. Respekt war das, was tatsächliche und vor allem vermeintliche Autoritätspersonen verlangten: Eltern, Priester, Lehrer, Vorgesetzte. Wer aber respektlos auftrat, etwa zum Amtseid als Minister in Turnschuhen kam, der demonstrierte seinen mutigen Einsatz gegen Autoritätsgläubigkeit. Inzwischen scheint der Begriff eine Rehabilitierung zu erfahren. Respekt ist ein Grundbedürfnis, ein universeller Wert, der nicht für Geld zu kaufen ist. Ebenso wie die Toleranz. Die Toleranzidee gilt mit als wichtigste Errungenschaft unserer modernen Gesellschaft, wurde wesentlich durch John Locke oder Erasmus von Rotterdam geprägt und bildet heute einen Grundpfeiler im friedlichen multi-ethnischen, multi-religiösen und interkulturellen Zusammenleben. Doch eine natürliche Eigenschaft des Menschen ist sie leider nicht – Toleranz muss erlernt und tagtäglich geübt werden. Im Bayern2 Radiobeitrag vom 3. April 2013 geben die Autoren Irene Schuck und Roman Neumann anschauliche Beispiele für gut gemeinte Versuche respektvoller Führung und weisen auf die Fallstricke des vorgetäuschten Respektes hin.

Willkommen in der Therapiegesellschaft

18. März 2013 von Sven Fissenewert
Ein wunderbarer Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der uns zeigt, dass uns die Burnout Welle wohl noch ein bisschen erhalten bleiben wird - und auch gleich ein paar Erklärungen für diesen Umstand mitliefert. Es gibt heute ein unübersehbares Angebot an therapeutischen Kursen, Seminaren, Workshops und Formaten rund um das Thema Selbstwahrnehmung. In Atemseminaren unter der Anleitung von Diplom- Atempädagogen kann der geneigte Teilnehmer beispielsweise seinem "Atem als Partner" begegnen, kann sich "frei atmen" oder sogar gleich die "Reinigung des eigenen Systems" an einem Wochenende vollziehen. Wie kann es sein dass ein derartiger Markt rund um Körperangelegenheiten entstanden ist? Gerade das Atmen wird ja dankenswerterweise von Atemzentrum im Hirnstamm übernommen welches garantiert, dass es zu einem verlässlichen Gasaustausch kommt, während der Atmende derweil seine Aufmerksamkeit auf andere Dinge oder Tätigkeiten lenken kann ohne Gefahr zu laufen dabei an einer Überdosis Kohlendioxid unbemerkt zu entschlafen. Ein Teil der Antwort: Während jeder Einzeller es schafft ein Fließgleichgewicht aufrechtzuerhalten ist uns der Bezug zu unserem Körper außer Sicht geraten, wir trauen ihm nicht mehr so recht über den Weg und suchen nach kundiger Anleitung um bei der Begegnung mit ihm ja nichts falsch zu machen (was im Übrigen auch ein meines Erachtens zunehmender Antreiber ist: es immer gleich beim ersten Versuch perfekt machen zu wollen). Anstatt einfach mal die Klappe zu halten und es mal einen mehr oder weniger langen Moment mit sich selbst auszuhalten... Aber lesen Sie mehr: Haltet mal die Luft an - Süddeutsche Zeitung - jetzt.de

sechsseiten – Ausgabe 06-1

25. Februar 2013 von Sven Fissenewert

Ungewissheit - Wandeln zwischen Gewissheit und Ungewissheit

„Die Menschheit ist an einem Wendepunkt, am Beginn einer neuen Rationalität, in der Wissenschaft nicht länger mit Gewissheit, und Wahrscheinlichkeit nicht länger mit Unkenntnis identifiziert wird.“

Ilya Prigogine: The End of Certainty

Das genannte Zitat des Physikochemikers, Philosophen und Nobelpreisträgers Ilya Prigogine ist deutlich älter als zehn Jahre. Was diese Aussage für unser tägliches Denken, Entscheiden und Handeln bedeutet, können wir aber auch heute noch nicht wirklich ermessen. Vielleicht liegt dies an einer gewissen Abstumpfung gegenüber den uns in schöner Regelmäßigkeit ereilenden Beschreibungen der aktuellen Lebenswirklichkeiten: Komplexität, Beschleunigung, Vernetzung, Globalisierung, Hyperwettbewerb – um nur einige zu nennen. Wir nehmen all dies zur Kenntnis, finden uns damit in unseren Routinen gut beschrieben und sind dennoch wenig bereit, uns den Konsequenzen dieser – mal mehr, mal weniger – bewussten Erkenntnis zu stellen. Dabei sollten wir eigentlich wissen, dass immer weniger vorhersehbar und planbar und immer mehr ungewiss ist. Schauen wir uns zum Beispiel einmal an, wie sich die Prognosen zu dem vermutlich bestuntersuchten Indikator unserer Volkswirtschaft, dem Bruttoinlandsprodukt, in den letzten Jahren entwickelt haben. Vor einem Jahr prognostizierten fast alle relevanten Institute für 2012 eine leichte Rezession. Wie sich nunmehr zeigt, hat sich die Entwicklung nicht an die Prognosen gehalten. Dabei haben am Ende die kleinen Wahrscheinlichkeiten und wenig beachteten Effekte den Unterschied gemacht.

Weiche Faktoren

11. Februar 2013 von Dr. Reinhard Schmitt
Seit über sieben Jahren gibt es nun schon die Braincasts von Arvid Leyh. Höchste Zeit, ihn auf dem Leadership-Blog in Szene zu setzen. Die Folgen 301 und 302 zum Thema 'Weiche Faktoren' kommen da gerade recht. Da er besser zum Thema Führung passt, empfehle ich direkt Teil 2. Arvid Leyh legt Ihnen darin unter anderem nahe,
  • die Selbsthilfe-Ecke nach all den Jahren endlich mal zu verlassen
  • auf Fake-Sensoren ihrer Kollegen und Mitarbeiter zu achten
  • Ihre Impulse um Ihrer Integrität Willen zu hemmen
  • die Veränderung Ihrer Epigenetik entschlossen anzugehen (denn Sie glauben nur, die Person, die Sie in zehn Jahren sein werden, heute schon zu kennen)
Und er weist darauf hin, dass…
  • eine zumindest grobe Richtungsvorgabe bei der persönlichen Entwicklung nicht von Schaden sein kann
  • die Manipulation Ihrer Mitmenschen keine Karmapunkte bringt
  • nur Erlöserfiguren auf Diplomatie verzichten können
  • es viel Hirnschmalz braucht, Fehler zuzugeben
  • „entschlossene Sturheit“ auch nur ein anderes Wort für Motivation ist
Hier geht es zum Blog und zum Braincast 302!

Glück wird überbewertet

21. Januar 2013 von Sven Fissenewert

Der Psychologe Arnold Retzer und der Philosoph Wilhelm Schmid über den Zwang zum Glücklich sein

Die Kunst der Selbstführung ist Thema in einer immer unüberblickbareren Menge an Veröffentlichungen und Ratgebern unterschiedlicher Herkunft. Vielen ist gemein, dass sie einen impliziten Zwang zum guten, glücklichen, gelingenden Leben transportieren, der gerade nicht dazu angetan ist ein brauchbares Navigationsinstrument für die vom Leben bereitgehaltenen Überraschungen zu liefern. In der jüngsten Diskussion zwischen Arnold Retzer und Wilhelm Schmid wird sehr differenziert deutlich, wie uns eine ganze Glücksindustrie im Grunde wenig gut berät, da sie mit ihren – nicht selten trivialen – Rezepten einer Selbstoptimierungsspirale das Wort redet. Dabei wird versäumt, Grenzen dieser Möglichkeit zu beschreiben und gleichzeitig werden jedem einzelnen neue Normen des Glücklichseins auferlegt. Die Reflexion der Beiden beleuchtet hingegen wie wichtig und – im Sinne einer gelingenden Selbstführung – nützlich es ist, sich mit sogenannten negativen Gefühlen, Situationen und Lebenslagen auseinanderzusetzen. Hier geht’s zum Artikel...

Meditieren im Führungsalltag

14. Januar 2013 von Carsten Waider
Am 20. und 21. November nahmen 9 Beraterinnen und Berater von Process One Consulting an der Unternehmenssimulation „Mission Impossible 2.0“ in Köln teil. Ziel der 24 Stunden-Herausforderung war, ein Format zu testen, das Aushandlungsprozesse in Organisationskontexten „live“ erlebbar macht. Teil dieser Simulation waren ungewöhnliche Aufgabenoptionen, über deren Annahme die Teilnehmer beraten und entscheiden mussten. Eine dieser Aufgabenoptionen war, eine Andacht einer nichtchristlichen Glaubensgemeinschaft zu besuchen. Nach einer längeren Zeit des Verhandelns (und einiger Bedenken) machten sich 6 BeraterInnen auf den Weg zum buddhistischen Zentrum, wo wir nach Vorabsprache an der abendlichen Meditation teilnehmen durften. Im Zentrum angekommen wurden wir herzlich empfangen und vor der Meditation selbst zunächst auf ein Getränk eingeladen. Dabei entwickelte sich ein interessanter Dialog über die Kernpunkte der buddhistischen Lehre. Dieser reichte vom Konzept über die Eigenheit des menschlichen Geistes, an angenehmen Zuständen anzuhaften und unangenehme Zustände vermeiden zu wollen bis zur Frage, wie wahre Präsenz im Hier und Jetzt besser möglich werden könnte. Im Laufe des Dialogs wurde dem einen oder anderen Berater zunehmend deutlich, welche Schnittmengen an verschiedenen Punkten zu unserem systemisch-konstruktivistischen Weltbild bestehen: der menschliche Geist als Schöpfer und Konstrukteur seiner Wirklichkeit (unter der er selbst bisweilen leidet). Zur Überwindung dieses Leidens hat der Buddhismus – so wurde uns berichtet – in den letzten 1500 Jahren Haltungen und Techniken entwickelt, darunter verschiedene Formen der Meditation. An einer solchen durften wir dann im Anschluss teilnehmen. Eine unerwartete, für viele ungewöhnliche, aber durchweg positive Erfahrung. Später dann im Kollegenkreis war diese Erfahrung noch mehrfach Thema. So rückte die Frage in den Vordergrund, inwiefern daraus Ableitungen für den eigenen (Führungs-)Alltag grundsätzlich zulässig und möglich seien. Kurz darauf stieß ich auf den folgenden Blog-Artikel, der sich genau damit beschäftigt...