Leadership Development

Blog zum Thema Führung und Führungsentwicklung der Process One Consulting GmbH

Darwinismus im Unternehmen

21. Juli 2010 von Dirk Gouder
Nicht erst seit der wirtschaftlichen Entwicklung im letzten Jahr macht das Thema Darwinismus in Unternehmen die Runde. Wie mein Kollege Sven Fissenewert schon an anderer Stelle beschrieben hat (vgl.Schriftenreihe Sechsseiten 2009: Darwin goes economics - pdf)  bedeutet "Survival of the fittest" nicht, dass der Durchsetzungsfähigste überlebt, sondern der Anpassungsfähigste. [caption id="attachment_1105" align="alignleft" width="105" caption="Christian Scholz"][/caption] So gibt es im Lichte des letzten Jahres auch schon (wieder) ein paar Unternehmen die sich selbst Begriffe wie Effizienz, Flexibilität, Veränderungskraft, Kostenbewusstsein auf die Fahne schreiben - also alles, im besten Sinnen nach Darwin, um die Anpassungsfähigkeit zu erhöhen. Interessant dabei zu beobachten ist allerdings, dass die Mitarbeiter oftmals nicht als diejenigen betrachtet werden, die dazu befähigt werden sollten diese Schlagwörter mit Leben zu füllen, sondern, dass sie eher als Produktionsmittel bei deren Umsetzung betrachtet werden. Diesen unternehmerischen Ansatz beschreibt Dr. Christian Scholz als Feudalismus.Diese Betrachtungsweise unterstützt das Shareholderdenken und ist aus meiner Sicht ein legitimes allerdings nicht mehr zeitgemäßes Modell. Es funktioniert nur, wenn die (leistungsstarken) Mitarbeiter nicht viele Optionen haben. Früher in der "guten alten Zeit" waren diese Optionen allein schon durch die geringere Mobilität (einhergehend mit weniger Globalisierung) und eine andere Lebensplanung eingeschränkt. Das was Dr. Scholz in seiner Darwinportunimus-Matrix als Opportunismus beschreibt, ist die Kehrseite und auch eine oft nicht mitgedachte Kostenseite der kurzfristigen Gewinnbetrachtung. Mitarbeiter und hier vor allem Führungskräfte erleben, dass es Sinn macht, die eigenen Interessen immer fest im Blick zu haben. Wer vertraut heute schon darauf, dass man vom ersten bis zum letzten Tag in ein und der selben Firma arbeitet? Dieses Vertrauen fehlt oder will inzwischen vielleicht auch gar nicht mehr gebildet werden und damit fehlt auch ein Stück Loyalität.