Leadership Development

Blog zum Thema Führung und Führungsentwicklung der Process One Consulting GmbH

Das Selbst der Organisation

28. Januar 2013 von Sven Fissenewert

Neuere Systemtheorie und ihre Implikationen für Organisation, Management und Führung

In seinem Beitrag für eine Festschrift für Professor Peter Gomez von der Universität St. Gallen bringt Rudolf Wimmer sein Verständnis über den Beitrag der neueren Systemtheorie zur Bearbeitung gesellschaftlicher und unternehmerischer Ausgangslagen auf den neuesten Stand. Vor dem Hintergrund der von ihm beschriebenen Makroentwicklungen einer „next society“ versorgt die angewandte Systemtheorie Manager und Berater mit einer Beobachtungsfolie und einem Interventionsverständnis welches realitätsgerechte Lösungen für die „Komplexitätszumutungen“ dieser nächsten Gesellschaft zu liefern in der Lage ist. Natürlich wird es in diesem Beitrag nicht praktisch im Sinne eines handwerklichen „How-to-do-it-Ratgebers“ und dennoch lassen sich an einigen Stellen Ableitungen für die aktuellen Problemlagen von Organisationen und Gesellschaft finden, wenn der geneigte Leser bereit ist, den angebotenen Gedanken weiter nachzugehen. So beschreibt Wimmer den nicht so ganz einfach zu fassenden Begriff des „Selbst“ der Organisation. Dieses Selbst entsteht aus den aneinander anknüpfenden Entscheidungen, die ja nach Lesart der Neueren Systemtheorie die Organisation „sind“. Durch eben diesen fortlaufenden Kommunikations- und Entscheidungsprozess entstehen unvermeidlicher Weise Eigenwerte, die sich als Selbst zu anderen Systemen abgrenzen und als Produkt von Führung verstanden werden und die Voraussetzung für die Führbarkeit von Organisationen bilden. Weiterhin wird dieses Selbst als Metainstanz beschrieben, das Kommunikationsroutinen anbietet, die es einem System erlauben, zu sich selbst in Distanz zu treten und sich mit Beobachtungen über die eigenen Zustände zu versorgen. Die Elaboriertheit dieses Selbst bestimmt das Ausmaß in dem Umweltkomplexität innerhalb des Systems bearbeitet werden kann. Damit bündelt dieser Begriff jenes organisationale Vermögen welches das Ergebnis von Führung ist. Dies ist insofern erhellend weil es Licht in die immer noch unzureichend beschriebene „organisational capability“ bringt, die ja eine Folge gelingender Führung ist – jenseits der bis heute im Vordergrund der Beschreibung stehenden Verhaltensweisen von Führungskräften (je nach Bedarf visionär, kollegial, durchsetzungsstark, heroisch, ausgleichend,…). Die Kultivierung dieses Selbst als Aufgabe und Voraussetzung von Führung verspricht einen hohen Nutzen: Die von Wimmer skizzierten Komplexitätszumutungen im Unternehmen erfolgreich bearbeiten zu können und damit einen fundamentalen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit derselben zu liefern.