Leadership Development

Blog zum Thema Führung und Führungsentwicklung der Process One Consulting GmbH

Führung 2020 – Part I

19. März 2012 von Henning Keber

Putzen Sie noch oder führen Sie schon?

In Anlehnung an den Werbeslogan des bekannten schwedischen Möbelhauses soll auch dieser Titel irritieren, neugierig machen. Wie oder was putzen? Und was hat putzen mit Führung zu tun und wieso „Führung 2020“? Zu diesen und möglichen weiteren Fragen gehen wir in der folgenden Blogreihe hier näher ein und zeigen auf, was unserer Meinung nach die organisationale Fähigkeit Führung in den kommenden Jahren deutlich stärker sicherstellen muss, will sie weiterhin einen Beitrag zur Überlebenssicherung von Organisationen beitragen. Beginnen wir von vorne. Wir von Process One beschäftigen uns seit einigen Jahren mit der Personen- und Gruppenqualifizierung,  vor allem aus Sicht der Führungsentwicklung und den daraus resultierenden Fragen der Verantwortung. In dieser Rolle sind wir Lieferant von Führungsentwicklungsprogrammen und -angeboten. In aller Regel werden wir (zumindest zu Beginn einer Kooperation) von Managern beauftragt, deren Aufgabe es ist, die passenden Lieferanten zu suchen, um Führungsentwicklung für andere Manager in der Organisation zu realisieren. Diese Manager, z.B. HR-Verantwortliche, PE-Fachkräfte oder auch Senior-Manager, sagen meist auch, für welche anderen Manager der Organisation diese Entwicklungsprogramme hilfreich und notwendig sind. So kommen also ausgesuchte Führungskräfte in den Genuss einer Qualifizierungskampagne, an deren Ende sie „trainingsgestählt“ wieder zurück in den rauen Führungsalltag geschickt werden. Dort angelangt sind die allermeisten so voller Tatendrang und Transferwille, dass sie kaum etwas daran hindern kann, das Gelernte nun wirksam in die Praxis umzusetzen - zum Wohl der Mitarbeiter, der Ergebnisse, des Unternehmens und zum eigenen Wohlbefinden. Um es gleich vorweg zu schicken: Wissenserwerb ist wichtig und mitunter die beste Therapie (siehe Artikel "4 Stufen der Kompetenzentwicklung", November 2009).  Und dennoch - allen gut gemeinten und durchdachten Bemühungen zur Transferunterstützung zum Trotz, scheitern die allermeisten an ihm. „ES“ lässt die Umsetzung nicht oder nur in modifizierter Form zu. „ES“ - das ist das System. Die Organisation, gemeint als das System, welches sämtliche Facetten und Komponenten beinhaltet, die das System ausmachen und die in einer bestimmten Art zusammen wirken müssen, damit der gewünschte Erfolg sich einstellt. Dabei ist Führung nur eine Komponente neben z.B. Kultur, Rolle, Verantwortung, Berichtslinien, Dokumentenwesen, Ressourcen, Struktur, Prozesse, Standards, Policies, Ziele, Strategien, Vorschriften, Entlohnung, Promotion, Normen, Werte und vieles mehr. In unserem Kontext meint System auch all die ungeschriebenen Gesetze und die mannigfaltigen inoffiziellen Praktiken, die nicht niedergeschrieben, aber dennoch irgendwie „committed“ und somit handlungsleitend sind. Wir glauben, dass der wachsenden Komplexität und abnehmenden Planbarkeit, die die Systeme und deren relevanten Umwelten immer stärker beeinflussen, künftig mit einem gesunden Maß Heuristik begegnet werden sollte. Versuche von Organisationen, die gestiegene Komplexität zentral zu beherrschen führen nicht selten zur Überbürokratisierung (siehe "Im Westen nichts Neues"). Eine anschauliche, anschlussfähige und zunächst vereinfachende Symbolik hat der britische Autor, Berater und Managementdenker William Tate gefunden: the fish tank metaphor. Das Aquarium In diesem Bild sind die Manager und die anderen Mitarbeiter die Fische. Die o.g. Komponenten sind das umgebende Wasser bzw. das Aquarium und sind somit relevante Umweltfaktoren der Fische. Die Fähigkeit der Fische, in dem Wasser zu navigieren und zu überleben ist abhängig vom Zustand und dem toxikologischen Gehalt des Wassers. Je nachdem, wie gut die Aquariumspflege ist, befinden sich im Wasser wertvolle Nährstoffe, ist die Wasserqualität erstklassig und sind die Sichtverhältnisse ungetrübt. Ein Paradies für Fische, um sich gesund und natürlich zu entwickeln (Anm. des Autors: wohlwissend, dass es auch Fischarten gibt, die in solch sauberen Gewässern nicht überlebensfähig wären). Nicht selten ist genau das Gegenteil der Fall und das umgebende Wasser ist trüb und undurchsichtig. Die Erwartung an die Führungskräfte ist nun, dass sie in dieser Umwelt ihre Führungsrolle und -verantwortung wirksam ausüben sollen. Nicht selten gelingt dies nach Auffassung des Senior-Managements nur bedingt und es ergreift die notwendigen Maßnahmen: es nimmt den Fisch heraus, füttert ihn mit Aufbaupräparaten (Trainings & Coachings), putzt das Schuppenkleid (compensation & benefits) und motiviert mit attraktiven Zukunftsvisionen ( Karriere & Promotion). Dann wirft es den Fisch zurück in das gleiche dreckige Wasser (s. William Tate: The search for leadership, 2009, Triarchy Press) Führung 2020 - Systemische Führung - heißt aus unserer Sicht, von der heroischen, am Individuum orientierten Sichtweise auf Führungskräfteentwicklung stärker zur organisationalen Sichtweise von Führungsentwicklung zu kommen. Systemische Führung beschäftigt sich mit den Fragen, wie eine Organisation es schafft, die Symbiose zwischen ihr und dem Faktor Führung auf eine gesunde, funktionale Ebene zu bringen und sie - viel schwieriger - langfristig dort zu halten. Fisch sein und neben der Fisch- auch die Aquariumspflege im Auge zu behalten - das ist die Kernfunktion von Systemischer Führung 2020. Was das im Einzelnen bedeuten kann, welche Implikationen sich daraus ergeben und wie aus unserer Sicht mögliche Ansätze aussehen könnten - damit beschäftigt sich die kommende Blogreihe. Und wer nach der Eingangsfrage hinreichend neugierig geworden ist, mit dem freuen wir uns über das „gemeinsame Laut-Denken“ im persönlichen Gespräch.