Leadership Development

Blog zum Thema Führung und Führungsentwicklung der Process One Consulting GmbH

Vertrauen in der Führungsbeziehung – ein Mythos?

14. Juli 2014 von Henning Keber
VertrauenDie aktuellen Tendenzen in der Führungsdiskussion zeigen, dass nach einer Zeit der eher sachlich-funktionalen Betrachtung der Aufgaben und Verantwortung von Führung der Mensch nun wieder stärker in den Blick gerät. Diese „Wiederentdeckung“ der geführten Person als Individuum mit Erwartungen, Wünschen, Hoffnungen und Ängsten ist vermutlich aus ganz unterschiedlichen Motiven getriggert. Große Aufmerksamkeit erhalten nach wie vor Themen, die sich rund um das Wohlbefinden, der Zufriedenheit, der Gesundheit und dem langfristigen Leistungserhalt der Menschen tummeln. Mancherorts lässt sich sogar beobachten, dass Organisationen relativ ausgeprägte „Kuschelkultur-Charakter“ zeigen und die handelnden Führungskräfte mehr als zaghafte Bittsteller denn als gleichberechtigte Partner in einer komplementären Leistungsbeziehung auftreten. Doch eben genau diese Beziehungen brauchen eine stabile Basis, auf der all jene Aspekte der partnerschaftlichen Leistungserbringung ständig neu verhandelt und vereinbart werden können. Da in aller Regel Führungsbeziehungen durch eine Asymmetrie der Machtverteilung gekennzeichnet sind, kommt dem Thema Vertrauen eine zentrale Bedeutung zu. Ein Versuch, das Phänomen Vertrauen besprechbar und somit auch in gewisser Weise bearbeitbar zu machen, stellt die sogenannte Vertrauensformel dar:

Vertrauensformel

Credibility (Glaubwürdigkeit)… bezieht sich auf die Aussagen, die wir tätigen. Auf der rationalen Seite geht es hierbei um Glaubhaftigkeit (wahrheitsgemäß) und auf der emotionalen Seite um Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit (die ganze Wahrheit sagen). Reliability (Zuverlässigkeit)… bezieht sich auf die Handlungen, die wir unternehmen. Sie verbindet die Intention mit der Aktion, die Worte mit den Taten. Auf der rationalen Seite entsteht Zuverlässigkeit durch wiederholte Erfahrungen konsistenten Verhaltens (Walk your Talk). Auf der emotionalen Seite wird Zuverlässigkeit insbesondere dann beeinflusst, wenn in den eigenen Handlungen die antizipierten  Erwartungen des Anderen berücksichtigt werden. Intimacy (Vertrautheit)… bezieht sich auf die „innere Verbindung“ zum Anderen und dem Aspekt, wie geschützt und sicher uns anvertraute Themen sind. Vertrautheit ist der beunruhigende Teil der Vertrauensformel, denn es bedeutet wechselseitig ein ausgewogenes und ansteigendes Risiko einzugehen. Dazu braucht es Mut und einen ersten Schritt. Im Zweifel sollte den die Führungskraft machen. Self-Orientation (Selbst-Orientierung)… bezieht sich auf den individuellen Fokus. Ist unsere Aufmerksamkeit stark auf uns selbst gerichtet, sind wir kaum in der Lage, den Anderen wahrzunehmen mit seinen Bedenken, Absichten, Wünschen, Sorgen und Ängsten. Eine niedrige Selbstbezogenheit im Handeln stärkt unsere Antennen für die Belange des Anderen und wird in der Regel als „besorgt sein“ bzw. „im Blick habend“ interpretiert und führt tendenziell zu einer Steigerung des Vertrauens in die Person. Im Kern geht es darum, sich mehr in Demut zu üben. Das bedeutet nicht weniger von sich zu denken, sondern weniger an (oder auch: über) sich zu denken.“ Gemäß dieser Formel nimmt das Vertrauen zu, sobald sich die Summe im Zähler erhöht oder der Nenner abnimmt. Viel Erfolg bei Ihrer ganz persönlichen „Formelarbeit“…