Leadership Development

Blog zum Thema Führung und Führungsentwicklung der Process One Consulting GmbH

McKinsey-Studie „Wettbewerbsfaktor Fachkräfte“ (Mai 2011)

10. Mai 2011 von Henning Keber

Hausaufgaben für ein strategisch denkendes Management

Nun hat es auch nochmal McKinsey schwarz auf weiß aufgezeigt: Der demografische Wandel wird den Wettbewerb um Fachkräfte deutlich verschärfen. Was viele Unternehmen heute bereits schmerzhaft spüren, ist wahrlich keine Wissensrevolution. Was die Unternehmensberater allerdings in aller Deutlichkeit sagen ist, wie erstaunlich es ist, dass dieses Thema so wenig Konkretheit erfährt, obwohl die Rahmenbedingungen weitgehend bekannt sein sollten. Und die Berater legen gleich noch eine schlechte Nachricht dazu: „Die Rettung beim Thema Fachkräfte kommt nicht aus dem Ausland“ so der Deutschland-Chef von McKinsey & Company bei der Vorstellung der Studie dieser Tage in Berlin.  Es gibt drei Stellschrauben, an denen Unternehmen künftig ansetzen müssen, sofern deren Management die eigene Aufgabe in der Zukunftssicherung des Unternehmens sieht: Frauen, Ältere und junge Menschen mit schlechten Startchancen. Zukunftsforscher Matthias Horx und sein Team haben bereits vor einigen Jahren auf die drei Megatrends Gesundheit, Alterung und Feminisierung hingewiesen. Aufgrund der Umverteilung der höheren Bildung von Männer auf Frauen werden beispielsweise ab 2015 mehr junge Frauen als Männer studieren und 2030 werden ca. 50% aller Führungskräfte weiblich sein (siehe hierzu Managerseminare/März 2008). Nur wo?  Auch in Ihrem Unternehmen? Wenn wir nur auf den einen Hebel „Feminisierung der Wirtschaft“ schauen, muss sich jede Organisation fragen: Bin ich attraktiv genug für die Bedürfnisse dieser Schlüsselspielerinnen in Zukunft? Leider treffen wir in Unternehmen noch zu häufig auf unzeitgemäße Ansichten und Arbeitszeitmodelle, die in einer gelungenen Kombination eine große Chance haben, den war for talents endgültig zu verlieren. Ein Dogma, das sich trotz aller Aufklärung und Aufrüttelung immer noch wacker hält und quasi „unabsteigbar“ ist: Führung – bei uns nur in Vollzeit. Falls es überhaupt Versuche gibt, diese Aussage wenigstens einigermaßen zu rechtfertigen, würden sie nur in den seltensten Fällen einer kritischen Auseinandersetzung standhalten. Oft, so unser Eindruck, bleibt die Aussage unkommentiert und als „so gegeben“ im Raum stehen. In Kommunikationstrainings hört man an solchen Stellen schon mal den Ausdruck „Killerphrase“ - als eine Nicht-Einladung zum konstruktiven Dialog. Was die dahinter liegenden Bilder und Gedanken sind, dazu könnten viele Hypothesen gebildet werden. Und alle wären es wert, ihnen zumindest ansatzweise auf die Spur kommen zu wollen. Wir haben bereits im August 2010 in unserer Schriftenreihe SechsSeiten das Thema „war for talents“ thematisiert und der Titel ist bezeichnenderweise „Jede Anziehung ist wechselseitig“. Wo also künftig die top-qualifizierte Managerin oder Fachkraft ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten wird, ist vor allem davon abhängig, wie das Unternehmen Führung versteht und lebt und welche Antworten auf Fragen gegeben werden, die heute bereits bekannt sind. Laut McKinsey ist die Zukunft positiv, wenn Unternehmen rechtzeitig gegensteuern – und meint: jetzt!